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Geschichte

Versklavung und Islamisierung armenischer Waisenkinder

Armenische Waisenkinder (Foto: Karen Jeppe; evangelische Missionarin. Bekannt wurde sie durch ihr überragendes humanitäres Engagement für die Armenier auf dem Gebiet des ehemaligen Osmanischen Reiches in den Jahren 1903 bis 1935)

Teil 1 der Reihe „Die armenischen Waisen des Genozids“

Während der endlosen türkischen Argumente einerseits und armenischen und internationalen Gegenargumenten andererseits, bezüglich der Zahl der massakrierten Armenier 1915, hätte Hrant Dink beide Seiten immer wieder an ein kritischeres Thema erinnert: „Wir reden immer über die Toten, lasst uns anfangen über die restlichen Überlebenden zu reden.“ Die restlichen Überlebenden bedeutet die unbekannte Anzahl von Armeniern die in Anatolien verblieben sind, jedoch nicht als Armenier, sondern als Türken, Kurden, Aleviten, Moslems und anderen Identitäten.

98 Jahre nach dem Versuch der Vernichtung einer Nation, ist es an der Zeit mehr über die versteckten Armenier zu sprechen, meist Waisen des Jahres 1915 die in andere Identitäten, als ihrer eigenen armenischen, zwangsassimiliert wurden.

Armenische Adoptivtochter von Atatürk

Hrant Dink hatte den Mut die wahre Identität von einem der bekanntesten türkischen Heldinnen als armenische Waise zu offenbaren. Sabiha Gökcen, die erste weibliche Kampfpilotin der Welt und Atatürks Adoptivtochter, hieß in Wirklichkeit Hatun Sebilciyan – ein armenisches Mädchen im Jahre 1915 in Bursa verwaist. Diese Enthüllung war der Anfang vom Ende für Hrant Dink, welche zu einer massiven Hass- und Drohkampagne gegen ihn seitens der türkischen Regierung, dem Militär und den Medien und drei Jahre später letztendlich zu seiner Ermordung auf offener Straße führte. Aber Sebilciyan (Gökcen) war nur eine von Zehntausenden armenischen Mädchen und Jungen die von ihren Eltern während des Völkermords 1915 weggerissen wurden. Was geschah mit diesen Waisen? Wie viele waren es?

Versklavung armenischer Waisenkinder und Ertränkung im Schwarzen Meer

Es ist eine gut dokumentierte Tatsache, dass während der Deportation der armenischen Bevölkerung aus allen Ecken des Osmanischen Reichs in die syrische Wüste, lokale Türken und Kurden sich armenische Kinder schnappten und sie von ihren Eltern trennten, um sie als Diener oder Ehefrauen mit nach Hause zu nehmen. Viele der Kinder wurden von ihnen oder den Gendarmen die die Deportationskonvois eskortierten als Sklaven verkauft. Es gab auch einige Armenier die ihre Kinder kurdischen und türkischen Nachbarn anvertrauten bevor sie selbst deportiert wurden. Weitere Kinder wurden zunächst von europäischen und amerikanischen Missionaren oder griechischen religiösen Führern gerettet, bevor sie später ebenfalls zwangsläufig geschnappt und weggeschickt oder ermordet wurden. In Trabzon, im Nordosten der heutigen Türkei, wurden mit Erlaubnis der Regierung 600 armenische Waisenkinder in griechischen Klöstern untergebracht, nachdem ihre Eltern im Schwarzen Meer ertränkt und ermordet wurden. Drei Monate später jedoch, wurden die armenischen Waisenkinder, auf Anweisung des Gouverneurs von Trabzon Cemal Azmi, gewaltsam von der Polizei weggebracht und dem türkischen Boot-Kapitän Rahman Bayraktaroglu übergeben. Dieser fesselte jedes Kind in einem Sack und warf sie ins Schwarze Meer. Dokumenten zu Folge soll der Gouverneur Cemal Azmi später gescherzt haben: „Der Stint-Fang wird diese Saison reichlich sein mit all den Ertrunkenen als Fischfutter.“

Armenische Mädchen in Bordellen gefangen gehalten

Zudem hat Trabzons Gouverneur Cemal Azmi etwa 450 der bestaussehenden Mädchen der armenischen Gemeinde von Trabzon ausgewählt und wandelte das lokale Roter-Halbmond-Krankenhaus zu einem Bordell für die türkische Elite und Würdenträger um. Einige der Mädchen wurden zum Vergnügen zu seinen Vorgesetzten nach Istanbul gesendet. 15 armenische Mädchen behielt der Gouverneur für sich und schenkte eine seinem 14-jährigen Sohn Ekmel. Die Mehrheit der Mädchen wurde gewaltsam islamisiert. Einige Wenige konnten entkommen oder sie begangen Selbstmord.

Diese Schilderungen kamen nach dem Krieg während der Gerichtsverhandlungen 1918 gegen die Führer des für den Völkermord verantwortlichen „Komitees für Einheit und Fortschritt“ (İttihat ve Terakki Cemiyeti) ans Licht. Weitere Schilderungen wurden 1921 von Cemal Azmis Sohn preisgegeben, der sich diesbezüglich an seinen engen Freund Mehmet Ali wandte. Dieser Freund jedoch, war in Wirklichkeit ein Armenier namens Hratch Papazian, der sich als Moslem ausgab und dem es gelang die Kreise des „Komitee für Einheit und Fortschritt“, die nach dem Krieg mit Hilfe deutscher U-Boote geflohen waren und sich in Berlin versteckten, zu infiltrieren. Die Infiltration war Teil der Vorbereitung für die Ermordung der für den Völkermord verantwortlichen und geflohenen türkischen Führer als Teil der „Operation Nemesis“. Cemal Azmi sowie weitere geflohene Chef-Organisatoren der Deportationen und Massaker wurden in den Jahren 1921/1922 in Berlin im Zuge der „Operation Nemesis“ zum Teil von Überlebenden des Genozids aufgespürt und ermordert.

Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 (in Kürze)

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