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Türkische Bürger unterzeichnen Petition gegen Leugner-Ausstellung in Dänemark

Die Dänische Königliche Bibliothek in Kopenhagen

Die Dänische Königliche Bibliothek in Kopenhagen


ISTANBUL. – Als Reaktion auf offizielle Erklärungen, dass die Königliche Bibliothek Dänemarks bei ihrer Ausstellung in Kopenhagen zum Völkermord an den Armeniern, ebenfalls der türkischen Regierung erlaubt hat eine Gegen-Ausstellung mit der türkischen Sicht der Dinge auszurichten (mehr hier), hat eine Gruppe türkischer Bürger, darunter Akademiker, Schriftsteller, ehemalige Abgeordnete und Bürgermeister, einen Offenen Brief an die Königliche Bibliothek verfasst. Der Offene Brief lautet wie folgt:

Stellen sie sich nicht gegen die Demokratisierung der Türkei und gegen die Konfrontation der Türkei mit ihrer Geschichte!
Die Personen, deren Signaturen unten erscheinen, sind beunruhigt erfahren zu haben, dass die Dänische Königliche Bibliothek der türkischen Regierung die Möglichkeit geboten hat, eine „alternative Ausstellung“ als Antwort auf die Ausstellung zum Völkermord an den Armeniern zu errichten.
Es ist falsch zu behaupten, dass zwei verschiedene Ansichten zu dem was im Jahr 1915 passiert ist möglich sind. Über 1 Millionen armenische Staatsbürger des Osmanischen Reichs wurden aus ihren Häusern vertrieben und vernichtet, zur Förderung einer vorsätzlichen staatlichen Politik. Was heute existiert, ist nichts anderes als die unverfrorene Leugnung dieser Realität durch die türkische Regierung.
Eine ehrliche Abrechnung mit der Geschichte ist die nicht-verhandelbare Voraussetzung für eine wahre Demokratie. Die türkische Regierung unterdrückt historische Wahrheiten und verfolgt eine Politik der Leugnung seit nun mehr als 90 Jahren. In Reaktion auf die vielen Intellektuellen der Nation, die die Regierung aufgefordert haben, die Geschichte ehrlich zu konfrontieren, bleibt diese systematische Unterdrückung und Einschüchterungspolitik, die ihren Höhepunkt mit der Ermordung des Journalisten Hrant Dink im Jahr 2007 erreichte, ungebrochen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat bereits in mehreren Fällen zu diesem Thema gegen die Türkei und ihre Position und Aktionen entschieden.
Indem der türkischen Regierung die Möglichkeit gegeben wird, eine „alternative Ausstellung“ zu präsentieren, unterstützen Sie die türkische Politik der Unterdrückung und Einschüchterung. Die Unterstützung, die Sie einem Regime entgegenbringen, das sich der Konfrontation mit der Geschichte widersetzt und die Leugnung der Wahrheit zu einem Grundprinzip gemacht hat, entspricht der Unterstützung eines Regimes der Apartheid. Wir möchten Sie daran erinnern, dass Ihre Unterstützung ein Hindernis für die Demokratisierungsbemühungen in der heutigen Türkei darstellt.
Es gibt ebenfalls einen regionalen Aspekt dieser Politik. Frieden, Demokratie und Stabilität im Nahen Osten werden nur kommen, durch Regierungen die bereit sind Geschichte ehrlich zu konfrontieren. Mit ihrer Position, historische Wahrheiten zu leugnen, stellt die Türkei ein Hindernis für die Entwicklung von Frieden, Demokratie und Stabilität im Nahen Osten dar. Wir, Bürger die für eine demokratische Türkei kämpfen, fordern Sie auf, Ihre Entscheidung, der türkischen Regierung zu gestatten eine „alternative Ausstellung“ auszurichten, zu überdenken und dieses Angebot sofort zurückzuziehen. Außerdem laden wir Sie ein sich uns anzuschließen und die demokratischen Bürgerinitiativen, die von der Türkei fordern sich ihrer Geschichte ehrlich zu stellen, zu unterstützten.“
Unterzeichner:
Fikret Adanır (Geschichtsprofessor)
Taner Akçam (Geschichtsprofessor)
Ayhan Aktar (Soziologieprofessor)
Cengiz Aktar (Professor für Politikwissenschaft)
Cengiz Algan (The DurDe Bürgerinitiative)
Ahmet Altan (Chefredakteur, Taraf Zeitung)
Maya Arakon (Professorin für Politikwissenschaft)
Oya Baydar (Schriftstellerin und Journalistin)
Yavuz Baydar (Kolumnist, Todays Zaman Zeitung)
Osman Baydemir (Bürgermeister von Diyarbakır)
Murat Belge (Literaturprofessor)
Halil Berktay (Geschichtsprofessor)
İsmail Beşikçi (Soziologieprofessor)
Hamit Bozaslan (Professor für Politikwissenschaft)
İpek Çalışlar (Schriftstellerin und Journalistin)
Oral Çalışlar (Kolumnist, Radikal Zeitung)
Aydın Engin (Gründungsverleger T24 Webnews)
Fatma Müge Göçek (Soziologieprofessorin)
Nilüfer Göle (Soziologieprofessorin)
İştar Gözaydın (Professorin für Recht und Politik)
Gençay Gürsoy (Medizinprofessor)
Ayşe Hür (Historikerin, Kolumnist Radical Zeitung)
Ahmet İnsel (Professor für Ökonomie)
Ayşe Kadıoğlu (Professorin für Politikwissenschaft)
Gülten Kaya (Musikproduzentin)
Ümit Kıvanç (Schriftsteller)
Ömer Laçiner (Chefredakteur, Birikim Review)
Roni Margulies (Dichter)
Baskın Oran (Professor für Politikwissenschaft)
Cem Özdemir (Bundesvorsitzender, Bündnis 90/Die Grünen)
Esra Mungan (Psychologieprofessorin)
Sırrı Sakık (Abgeordneter)
Betül Tanbay (Mathematikprofessorin)
Zeynep Tanbay (Choreografin)
Turgut Tarhanlı (Professor für internationales Recht)
Ufuk Uras (ehemaliger Abgeordneter)
Şanar Yurdatapan (Initiative für freie Meinungsäußerung).

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