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Geschichte

Neues Buch berichtet über zwangsislamisierte „geheime Armenier“ in der Türkei

Das Buch "Secret Nation: The Hidden Armenians of Turkey" über zwangsislamisierte „geheime Armenier“ in der Türkei.

Nicht nur Frauen und Kinder, sondern mitunter auch einflussreiche Geschäftsleute wurden seit dem Genozid an den Armeniern 1915 zwangsislamisiert, heißt es in dem neuen Buchtipp der Stiftung „Pro Oriente“.

Das Schicksal der „verborgenen Armenier“ in der Türkei beschreibt der aus der Region stammende Autor Avedis Hadjian in einem neuen 600-seitigen Buch im Londoner Verlag I.B.Tauris. Unter dem Titel „Secret Nation: The Hidden Armenians of Turkey“ werden die Schicksale der Nachkommen jener Armenier untersucht, die ab 1915 in muslimische Familien integriert wurden. Dies waren vor allem Frauen und Kinder.
Obwohl die „drei Paschas“ des Jahres 1915 und ihre Helfershelfer im „Komitee für Einheit und Fortschritt“ (Ittihad ve Terakki) persönlich zumeist überzeugte Atheisten oder zumindest Agnostiker waren, spielten sie im Verlauf des Völkermords auch die islamistische Karte aus, um Zuspruch zu erlangen, weil sie die „ungläubigen Christen“ zum „wahren islamischen Glauben“ nötigten. In diesem Zusammenhang wurden nicht nur Frauen und Kinder, sondern mitunter auch einflussreiche Geschäftsleute zwangsislamisiert, heißt es in dem neuen Buchtipp der Stiftung „Pro Oriente“ (29. Juli).
Viele zwangsislamisierte Armenier blendeten schon aus Vorsicht ihre christliche Vergangenheit aus, aber nicht alle. Vor allem von türkischen Familien adoptierte armenische Kinder entdeckten oft in späteren Jahren ihre wahre Herkunft und Identität.
Über Jahrzehnte hinweg war es auch in der kemalistischen Türkei üblich, dass solche „Geheimarmenier“ ihren christlichen und armenischen Traditionen nur hinter verschlossenen Türen treu blieben. In den letzten Jahren aber treten die „Geheimarmenier“ immer öfter an die Öffentlichkeit. Eine wichtige Rolle spielte dabei der 2007 ermordete armenische Journalist Hrant Dink, der nicht müde wurde, an die „hidden Armenians“ zu appellieren, sich offen zu ihrer Herkunft und ihrem christlichen Glauben zu bekennen.
Avedis Hadjian hat in der Türkei kreuz und quer jene Städte und Dörfer besucht, in denen bis zum April 1915 armenisches Leben wie selbstverständlich blühte. Er hat unzählige Geschichten des Überlebens und der „Wiederentdeckung der Identität“ gesammelt. Mit seinem Buch gelingt es Hadjian, eine seit mehr als hundert Jahren wirksame „Schweigespirale“ zu durchbrechen und Realitäten sichtbar zu machen, von denen die offizielle Türkei auch heute noch oft nichts wissen will.

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