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Sorge über Aserbaidschans Einfluss auf Oxford Universität

Die Schwägerin des aserbaidschanischen Diktators Ilham Aliyev sitzt im Vorstand eines Oxford-Zentrums zur Erforschung Aserbaidschans, nachdem sie eine 10-Millionen-Pfund-Spende vermittelt hat.

Professor Louise Richardson, Vizekanzlerin der Oxford Universität, und Professor Nargiz Pashayeva, Vorsitzende des Kuratoriums des BFSAC. (Foto: Ian Wallman)

Ein Mitglied der Familie des autokratischen Herrschers von Aserbaidschan sitzt im Vorstand eines Forschungszentrums der britischen Oxford Universität, das sich mit dem Land befasst, was bei Akademikern Bedenken wegen Interessenkonflikten hervorruft, berichtet „Times Higher Education“ (THE).

Ein Gremium, das armenische Wissenschaftler vertritt, äußerte die Sorge, dass das „Oxford Nizami Ganjavi Centre“, das 2018 durch eine 10-Millionen-Pfund-Spende (etwa 11,6 Millionen Euro) aus einer ungenannten Quelle gegründet wurde, die Erforschung des armenischen Erbes in dem zentralasiatischen Land vernachlässigen könnte, das, wie sie sagen, die derzeitige Regierung in Baku auszulöschen versucht.

Die Oxford-Spende wurde von Nargiz Pashayeva vermittelt, der Schwägerin des aserbaidschanischen Diktators Ilham Aliyev, der Aserbaidschan seit 2003 unter dem Eindruck der Folter, der Inhaftierung politischer Gegner und der Korruption autokratisch regiert.

Pashayeva, Rektorin der Bakuer Niederlassung der Moskauer Staatsuniversität, sitzt im siebenköpfigen Vorstand des Oxford-Zentrums, der darüber entscheidet, welche Bewerber Stipendien für ein Studium in Aserbaidschan und der weiteren Region erhalten.

„Es ist besorgniserregend, dass das Nizami Ganjavi Centre in Oxford durch eine große Spende mysteriöser Herkunft entstanden ist, die von einer Person mit engsten Verbindungen zu den Machthabern des aserbaidschanischen Staates ermöglicht wurde“, sagte Marc Mamigonian, Direktor für akademische Angelegenheiten bei der in den USA ansässigen „National Association for Armenian Studies and Research (NAASR)“.

Der Schwerpunkt des 2018 gegründeten Oxford-Zentrums liegt auf der Geschichte, den Sprachen und Kulturen von Aserbaidschan, dem Kaukasus und Zentralasien, aber einige Themen sind aktueller. Im Mai war das Zentrum Gastgeber einer Veranstaltung mit dem Titel „Beyond the Boom: Toward Human and Social Development in the Post-Oil Era in Azerbaijan“ (zu Deutsch: Jenseits des Booms: Auf dem Weg zur menschlichen und sozialen Entwicklung in der Post-Öl-Ära in Aserbaidschan).

„Seit Jahrzehnten schlagen Wissenschaftler und Journalisten Alarm über Aserbaidschans Zerstörung historischer armenischer Gräber, Kirchen und Kreuzsteine, genannt Khachkars, auf seinem Territorium.“, schreibt das Londoner Times Higher Education Magazin.

„Es gibt Grund zur Besorgnis über die potenziellen Auswirkungen auf die Art und Weise, wie das Studium des Südkaukasus in Vergangenheit und Gegenwart gestaltet wird – das heißt, was wird einbezogen, was wird ausgeschlossen, und welche Kräfte werden diese vorgeblich akademischen Entscheidungen beeinflussen?“ sagte Mamigonian.

Die endgültige Quelle der Finanzierung bleibt weiter ein Geheimnis. Bei der Ankündigung zur Gründung des Zentrums im Jahr 2018 hieß es in Oxford, es sei durch „großzügige philanthropische Unterstützung der British Foundation for the Study of Azerbaijan and the Caucasus“ (BFSAC) ermöglicht worden, einer in Großbritannien ansässigen Organisation, die 2016 gegründet wurde und deren Vorsitz Nargiz Pashayeva innehat.

Die Stiftung wurde als ein Projekt der Anglo-Aserbaidschanischen Gesellschaft aufgeführt, einer Einrichtung, die ebenfalls von Pashayeva geleitet wird und die Beziehungen zwischen den beiden Ländern aufbauen will. Auf der inzwischen nicht mehr funktionierenden Website wurde der aserbaidschanische Botschafter in London als Schirmherr genannt.

Laut Robert Hoyland, Professor für spätantike und frühislamische Geschichte des Nahen Ostens an der New York University und einer der Treuhänder der Stiftung, sagte der Times Higher Education, dass das Millionen-Geschenk von „einem Spender mit Sitz in Europa, nicht in [Aserbaidschan]“, gekommen und direkt an die Oxford Universität gegangen sein soll.

Elspeth Suthers, Senior Managerin für Kaukasus-Programme bei der in den USA ansässigen „National Endowment for Democracy“ (NED), die vor autokratischen Spenden an westliche Universitäten gewarnt hat, sagte, es sei „absolut richtig zu hinterfragen, woher diese Mittel stammen“. Sie sagte, dass Aserbaidschans Informationsstrategie außerhalb des Landes „sich darauf konzentriert, sicherzustellen, dass es konkurrierende Behauptungen – von denen mindestens eine mit ihrer Position sympathisiert – zu jedem Thema gibt, an dem sie ein Interesse haben“.

Nicht nur in England, auch in Deutschland versucht Aserbaidschan mittels Spenden Einfluss auf Universitäten zu nehmen. Ein Lehrstuhl der Humboldt-Universität zu Berlin zur „Geschichte Aserbaidschans“ wurde mit Millionensummen vom aserbaidschanischen Staat finanziert. Aus einer kleinen Anfrage der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus geht hervor, dass der Aserbaidschan-Lehrstuhl der Berliner Uni allein im Jahr 2017 mehr als eine Million Euro aus Baku erhielt. Die Inhaberin des Lehrstuhls, Eva-Maria Auch, besuchte Aserbaidschan im April 2021 nach ihrem Angriffskrieg gegen das mehrheitlich armenische bewohnte Bergkarabach und sprach davon, dass die Menschen in Aserbaidschan lange darauf gewartet hätten, „ihr Land von der Besatzung zu befreien“. Einige regimetreue aserbaidschanische IPS-Bundestagspraktikanten studierten und promovierten bei Auch.

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