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Es ist Zeit für die Türkei, die historische Tatsache des Armeniergenozids anzuerkennen

Eine Gedenkfeier zum Völkermord an den Armeniern in Jerewan im Jahr 2012. (Foto: Getty)

Eine Gedenkfeier zum Völkermord an den Armeniern in Jerewan im Jahr 2012. (Foto: Getty)


Es sind nun 98 Jahre vergangen seit 1.5 Millionen Armenier systematisch massakriert wurden. Das Geschehene anzuerkennen ist der einzige Weg der uns allen hilft vorwärts zu kommen.

von Bejamin Abtan
Es sind 98 Jahre vergangen seit – nach einem vorsätzlichen Plan mit einer methodischen Umsetzung – eineinhalb Millionen Armenier im Osmanischen Reich massakriert wurden. Das armenische Volk wurde Opfer eines Völkermordes, der bald als grausige Referenz für diejenigen dienen würde, die darauf folgten.
In der Türkei provoziert heute die bloße Erwähnung dieser historischen Tatsache die wilde Opposition und führt manchmal sogar zu körperlichen Bedrohungen. Genozid-Leugnung dient als Ermutigung für Rassismus und Hass gegen Armenier und andere nicht-muslimische Minderheiten. Einige wollen behaupten, dass die Anerkennung der Realität des armenischen Genozids einen Angriff auf alle türkischen Menschen und auf das „Türkentum“ darstellt. Das ist es nicht: es ist ein Schritt in Richtung Gerechtigkeit.
Vor einigen Jahren begann man in der Türkei an den Völkermord an den Armeniern zu gedenken. Die Teilnehmer sind noch wenige, aber ihre Zahl wächst jeden Tag trotz eines offiziellen Diskurs der Völkermord-Leugnung. Heute fordern diejenigen unter uns, die an diesen Gedenkfeiern in der Türkei teilgenommen haben, Solidarität über die Grenzen hinaus.
In diesem Jahr am 24. April – der weithin anerkannte Beginn des Massakers – bitten wir Bürger, Führer der Zivilgesellschaft, Antirassismus-Aktivisten, Intellektuelle und Künstler armenischer und anderer unterschiedlichster Herkunft, in der Türkei und auf der ganzen Welt, sich in der Forderung, die historische Tatsache des Völkermordes an den Armeniern endlich anzuerkennen, zu vereinen.
Unsere gemeinsame Initiative ist eine der Solidarität, der Gerechtigkeit und der Demokratie.
Es ist eine Initiative der Solidarität unter all denjenigen, die für die historische Wahrheit kämpfen. Heute ist die Kluft nicht zwischen Türken und Armeniern, sondern zwischen denen, die für die Anerkennung des armenischen Genozids kämpfen, unabhängig von ihrer Herkunft und wo sie leben, und denen, die die Leugnung dieses Genozids fördern. Mit einem Wort, es ist nicht eine Frage von Blut, sondern von Ideen. Es ist keine Frage der Herkunft, sondern ein gemeinsames Ziel.
Es ist eine Initiative der Gerechtigkeit. In den Worten des Schriftstellers und Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel, „Genozid tötet zweimal, das zweite Mal durch Schweigen.“ Leugnung ist somit die Fortsetzung des Völkermords. Der Kampf gegen die Leugnung ist der Versuch das Trauma der armenischen Gemeinschaften von einer Generation zur anderen zu bezwingen. Es ist nicht ein Ende von diesem Teil der Geschichte – denn wenn es um Völkermord geht gibt es leider kein wirkliches Ende – aber es bietet den neuen Generationen die Möglichkeit gemeinsam in die Zukunft zu schauen.
Schließlich ist es eine Initiative für die Demokratie. In Anlehnung an den Schriftsteller und Buchenwald Überlebenden Jorge Sempruns häufige Mahnung, verlangt die Demokratie eine Vitalität der Zivilgesellschaft. Die Stärkung der türkischen Zivilgesellschaft durch die Schaffung von Brücken mit dem Rest der europäischen Zivilgesellschaft ist eine Stärkung von demokratischen Werten und somit eine Bekämpfung von Rassismus und eine Förderung der Menschenrechte in der Türkei sowie im restlichen Europa.
In Solidarität, für Gerechtigkeit und Demokratie, aus Respekt gegenüber den Opfer und ihren Nachfahren, gedenken wir gemeinsam am 24. April den Völkermord an den Armeniern in der Türkei.

Unterzeichnet von:
Benjamin Abtan, Präsident des „European Grassroots Antiracist Movement“ – EGAM
Cengiz Algan & Levent Sensever, Sprecher für „Durde!“ (Türkei)
Alexis Govciyan, europäischer Präsident & Nicolas Tavitian, Mitglied des Vorstands der „Armenian General Benevolent Union“ – AGBU (Europa)
Meral Cildir, Mitglied des „Board of Directors“ & Ayse Gunaysu, Mitglied der „Kommission gegen Rassismus und Diskriminierung der türkischen Vereinigung für Menschenrechte“ – IHD (Türkei)

(NewStatesman)
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