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Geschichte

Cemal Pascha: Überlegener Intellekt türkifizierter Armenier sollte Türken als Vorteil dienen

Armenische Waisen im deutschen Mezire Waisenhaus in Kleidung der osmanischen Armee (Quelle: Sonnen-Aufgang, Heft 11, August 1912)
Teil 2 der Reihe „Die armenischen Waisen des Genozids“

Das für den Völkermord an den Armeniern verantwortliche „Komitee für Einheit und Fortschritt“ hatte besondere Pläne für die überlebenden Waisen. Die Wirren während des Ersten Weltkrieges wurden gezielt ausgenutzt, um die Mehrheit der überlebenden armenischen Waisen einzusammeln, sie an verschiedenen Orten in Waisenhäuser unterzubringen mit dem einzigen Ziel, sie zum Islam zu konvertieren, zu assimilieren und als Türken zu erziehen.

Einer dieser speziellen Waisenhäuser welches zur Türkifizierung der Kinder benutzt wurde befand sich in Ayn Tura, etwa eine Autostunde von der libanesischen Hauptstadt Beirut entfernt. Dort wurden rund 1000 armenische Waisenkinder im Alter von 3-15 Jahren untergebracht. Mit Befehl von Cemal Pascha, dem Generalgouverneur von Syrien und Libanon und unter der Aufsicht von türkischen Lehrern und Intellektuellen, darunter die Schriftstellerin Halide Edip Adivar, wurden die armenischen Waisen zum Islam konvertiert und türkifiziert. Die Jungen bekamen türkische Namen wobei die Initialen ihrer armenischen Namen beibehalten wurden. So wurde aus Haroutiun Najarian, Hamid Nazim. Aus Boghos Merdanian wurde Bekim Muhammed und aus Sarkis Sarafian wurde Saffet Suleyman. Obwohl überall im Libanon und in Syrien während des Krieges Hungersnot herrschte, wurde das Waisenhaus mit reichlich Nahrung versorgt, um wohlgenährte und gesunde neue türkifizierte Kinder großziehen zu können.

Armenisch sprechen wurde streng bestraft

Basierend auf den Memoiren eines der Waisenkinder, Harutiun Alboyajian, durften die Kinder nur türkisch sprechen. Wenn die Vorgesetzten jemanden armenisch sprechen hörten, wurden die Jungen mit harten Schlägen bestraft. Man kleidete die Waisen wie türkische Kinder und lehrte ihnen den Islam. Cemal Pascha war der festen Überzeugung, dass die Armenier einen überlegenen Intellekt und Fähigkeiten besaßen, die der türkischen Nation immens helfen würden.

Trotz der Bemühungen das Waisenhaus hygienisch zu halten, starben bis zum Jahr 1918 etwa 300 armenische Waisenkinder an Lepra und anderen Krankheiten. Einige der Waisen wurden bei Familien in Städten in denen es keine Armenier mehr gab untergebracht oder sie wurden auf andere Waisenhäuser verteilt. Nach Ende des Krieges, als die Waisenhäuser von dem 1915 gegründeten Entwicklungsträger „Near East Relief“ übernommen wurden, gab es 670 Waisen die sich noch an ihre armenischen Namen erinnern konnten.

Türkifizierte Offiziere an Militärputsch 1960 beteiligt

Ein weiterer Fall der Türkifizierung fand unter dem Kommando des türkischen Generals Kâzım Karabekir in Ostanatolien statt. Es ist dokumentiert, dass rund 30.000 von 50.000 Waisen türkifiziert wurden. Etwa 6.000 armenische Kinder, darunter 2.000 Mädchen und 4.000 Jungen, wurden in Erzurum zusammengetrieben und in eine Militärschule gebracht. Diese Waisen waren zu dieser Zeit bereits vollständig türkifiziert. Die talentiertesten unter den Jungen wurden später auf höhere Militärakademien nach Bursa und Istanbul geschickt. Ohne auf die psychologischen Auswirkung solch einer radikalen, gewaltsamen Assimilation und Konvertierung einzugehen wird behauptet, dass diese konvertierten Militäroffiziere die fanatischsten Ultranationalisten in der türkischen Armee wurden, von denen einige im Mai 1960 am Militärputsch gegen die Regierung von Adnan Menderes, dem ersten aus freien Wahlen hervorgegangenen Ministerpräsidenten der Türkei, beteiligt waren.

Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 (in Kürze)

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