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Panorama

Anti-armenische Proteste in Istanbul zum Gedenken an Chodschali: »Ihr seid alle Armenier. Ihr seid alle Bastarde.«

ISTANBUL. – Beschämende Slogans und Schilder kennzeichneten und befleckten die anti-armenischen Proteste in Istanbul zum Jahrestag der Ereignisse in der Stadt Chodschali (oder „Xocali“) am 26. Februar 1992, bei dem laut Human Rights Watch mindestens 161 Menschen, in Mitten eines 6-jährigen Krieges zwischen Armenien und Aserbaidschan um Nagorno-Karabakh, ums Leben kamen.

Die Demonstranten, darunter Gewerkschaftler und nationalistische Gruppen, inszenierten am vergangenen Sonntag einen Massenprotest auf dem Istanbuler Taksim-Platz, um Armenien zu denunzieren in Solidarität mit dem eng Verbündeten der Türkei, Aserbaidschan, berichtet »National Turk English«. Unter den Rednern bei der Demonstration auf dem berühmten Istanbuler Taksim-Platz war neben anderen Führern von Erdogans AKP Partei, der türkische Innenminister Idris Naim Sahin. Viele westliche sowie türkische Journalisten waren von dem starken Nationalismus der bei den Protesten in Form von Schildern und Slogans dargelegt wurde, schockiert.

Die Opfer der Chodschali Ereignisse für tiefen Rassismus in der Türkei missbraucht

Plakate auf Bussen, an Wänden an fast jeder Ecke in Istanbul und in den U-Bahnen waren bereits Tage zuvor mit der Aufschrift »Glaubt den armenischen Lügen nicht. Vergesst das Chodschali Massaker nicht.« zu sehen.
Der auf professionellen Schildern gedruckte und abfällige Slogan »Ihr seid alle Armenier. Ihr seid alle Bastarde« war als eine Gegenmaßnahme für den Satz »Wir sind alle Armenier. Wir sind alle Hrant Dink« anzusehen, welcher von mehreren Hunderttausend türkischen Anhängern des ermordeten armenischen Journalisten Hrant Dink benutzt wurde. In Solidarität mit der armenischen Minderheit, brachte der Slogan »Wir sind alle Armenier« den vorherrschenden Schmerz und den Wut nach der Ermordung Dinks zum Ausdruck.
»Die stürmische Versammlung bei den Protesten am Sonntag welche einmal mehr, manipuliert und unterstützt von Tayyip Erdogans AKP-Regierung, wurde von unseren [türkischen] Steuergeldern finanziert für Menschen, die keine Empathie besitzen und daher nicht in der Lage sind zu verstehen, dass man ein Leid nicht mit einem anderen ausgleichen kann.«, berichtet die türkische Nachrichtenagentur »National Turk«.
»Heute Taksim, morgen Yerevan: Wir werden in der Nacht über euch hereinbrechen.« hieß es auf einem Schild, während so genannte Trauernde riefen »Wir sind alle Ogün Samast« (Der Name des verurteilten Mörders von Hrant Dink). Ihre Hände zeigten dabei Richtung Himmel mit der Geste der »Grauen Wölfe«, eine rechtsextreme türkische Partei die unter Beobachtung des deutschen Verfassungsschutzes steht. Das die Anwesenden wirklich dort waren um an die Opfer der Ereignisse in Chodschali zu gedenken ist sehr zu bezweifeln.

Armenien und die Türkei: Eine Politik des Hasses

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy wurde ebenfalls auf eine seltsame Art und Weise kritisiert. Ultra-nationalistische Gruppen verteilten Toilettenpapier der Marke »Sarkozy«, welches kurz nach der Annahme des Völkermord-Gesetzes durch den französischen Senat in der Türkei produziert und verkauft wurde.
Nach Angaben von Organisatoren der Protestaktion, wurden ähnliche Demonstrationen in über 50 Städten der Türkei geplant.
Die »Armenian National Committee of America« (ANCA), kritisierte die von der türkischen Regierung bewilligten anti-armenischen Demonstrationen, welche am 26. Februar überall in der Türkei gehalten wurden, aufs Äußerste.

»Diese anti-armenischen Demonstrationen in den Straßen von Istanbul, im Beisein des Innenministers und prominenten türkischen Parteien, war eine klare Anstiftung zum erhöhten Rassismus und zur erneuten Gewalt gegen die eigene armenische Bevölkerung der Türkei und den Nachbarn Armenien.« sagte der ANCA-Vorsitzende Aram Hamparian.

Guillaume Perrier, ein in der Türkei arbeitender Korrespondent der französischen Tageszeitung »Le Monde« gibt an, dass diese Proteste vom türkischen Außenministerium unterstützt und gefördert wurden.

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