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Meinung

Türkischer Journalist über das Verhalten der Türkei bezüglich des Völkermords an den Armeniern

Mehmet Ali Birand ist türkischer Journalist, politischer Kommentator und Schriftsteller

Heute ist der 24. April. Erneut, wie jedes Jahr, wird sich die 70-Millionen-Bevölkerung der Türkei fragen, was andere über die Armenier-Thematik sagen werden. Was wird Washington sagen? Welches weitere Land wird den Völkermord an den Armeniern akzeptieren?

von Mehmet Ali Birand

Die Tage werden stressvoll vergehen und am Ende werden wir erneut alles vergessen. Dieser Prozess ist wie eine chinesische Folter. Vor allem in Hinblick auf das sich nähernde Jahr 2015, wird sich der Druck erhöhen. Die Türkei, wie es dies auch schon in der Vergangenheit getan hat, wird harsch reagieren. Sie wird Drohungen aussprechen, welche jedoch ineffektiv bleiben werden.
Wissen Sie warum? Weil ein wesentlicher Teil der Welt, durch die Arbeit der Armenier, den Völkermord akzeptiert hat. Die Gegendarstellung der Türkei kam zum einen zu spät und ist zudem zu schwach. Wir müssen nicht weit gehen um dies zu sehen. Erst letzte Woche wurde ein 1000-seitiges Buch über dieses Thema an mein Büro geschickt. (Wolfgang Gust (Hg.): Alman Belgeleri Ermeni Soykırımı 1915-1916 – Alman Dışişleri Bakanlığı Siyasi Arşiv Belgeleri)

Es wurde von dem bekannten deutschen Journalisten und Schriftsteller Wolfgang Gust zusammengestellt. Das Buch beinhaltet die vollständige Dokumentation aller Aktivitäten gegen die Armenier, die in den Archiven des deutschen Auswärtigen Amtes 1915 und 1916 eingegangen sind. Diese Dokumente beinhalten nicht nur die von deutschen Diplomaten und Missionaren des damaligen Osmanischen Reiches versendeten Berichte, sondern ebenfalls Ansichten und Debatten der deutschen Regierung zu dieser Thematik.

Das Buch ist in türkischer Sprache. Seine englische, deutsche, spanische und portugiesische Versionen sind bereits im Druck. Seine Message lautet, „da die Türken es nicht tun werden, lasst uns es tun. Türken sollten diese Dokumente sehen und die Fakten die wir haben verstehen. Sie sollten überzeugt werden, dass wir nicht ihre Feinde sind, sondern versuchen ein Ereignis zu erklären.“
Das Buch wurde von dem »Belge Publishing House« in ein sehr verständliches und schönes Türkisch übersetzt. Es ist eine extrem wichtige und teure Studie.

Ohne ins Detail gehen zu wollen – wenn man das Buch ließt und sich die Dokumente anschaut, wenn man eine Person ist die durch dieses Buch an diese Thematik herangeführt wird, ist es unmöglich dass man nicht an einen Völkermord glaubt. Selbst wenn man ein Experte bei diesem Thema ist, oder recherchiert hat was laut der türkischen Seite vorgefallen ist, selbst dann, wird man verwirrt sein. Man wird viele Fragen haben.
In einem Brief welcher dem Buch beigelegt war, sagt der Leiter des »Zoryan Institute in Canada«, Greg Sarkissian, dass wahrer Frieden nur dann erreicht werden kann, wenn Informationsquellen über die Vergangenheit einer Nation geteilt werden und Nationen offen über die Vergangenheit reden können.

Er sagt ebenfalls, dass auf diese Weise gegenseitiges Verständnis und ein Dialog entstehen kann, an Stelle von Hass.

Nun möchte ich alle türkischen Amtsträger fragen: Haben sie in den letzten 50 Jahren solch eine Studie getan? Haben sie internationale Quellen recherchiert und – wie befangen oder einseitig sie auch sein könnten – waren sie in der Lage solch ein Buch zu publizieren? Welche Art von Studie haben sie geleistet – außerhalb ihrer eigenen türkischen Archive – welche die internationale Öffentlichkeit überzeugen würde? Waren sie begrenzt auf oder zufrieden damit, nur türkische Archive zu benutzen weil sie in diesen keine plausiblen Dokumente oder Beweise finden konnten?

Wir sollten uns nicht gegenseitig täuschen: Wenn sie angemessene Antworten zu diesen Fragen geben können, dann werden sie in der Lage sein einige echte Kernfakten für uns klarzustellen. Ich weiß, dass sie schweigen werden.

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