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Türkische Botschaft unglücklich über Genozid Konferenz in Prag

Simon Krbec, Direktor des „Research Center for Archeology of Evil“, an der Charles University in Prag (Foto: RFE/RL)


PRAG. – Die türkische Botschaft in der Tschechischen Republik hat sich über das Vorgehen einer nichtstaatlichen Organisaton beklagt, die eine internationale Konferenz über Genozide allgemein und speziell über den Völkermord an den Armeniern 1915 im Osmanischen Reich organisierte.

In seiner Eröffnungsrede begrüßte Armeniens Botschafter in Prag, Tigran Seyranian, die Konferenz welche das in Prag ansässige Forschungszentrum „Research Center for Archeology of Evil“ organisierte und zitierte Franz Werfels historischen Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“. Seyranian lobte zudem die Tschechische Republik für den jährlich stattfindenden Gedenktag zum 24. April, berichtet die Nachrichtenagentur news.am.
Die Konferenz, welche vom 18. bis zum 20. Juni in der Hauptstadt Prag stattfand, wurde als Teil eines Projekts konzipiert, um Fragen bezüglich Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Verbrechen gegen die Menschlichkeit hervorzuheben und konzentrierte sich auf die Bemühungen der Selbstverteidigung in Musa Dagh, sowie der fortschreitenden Leugnungspolitik der Türkei. Zudem wurde Andrew Goldbergs Dokumentarfilm mit dem Titel „The Armenian Genocide“ vorgeführt.

Türkische Botschaft ist „unglücklich“

Der Direktor des Zentrums, Simon Krbec, teilte Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) mit, dass die türkische Botschaft in Prag „unglücklich“ über die Entscheidung des Zentrums war, die Konferenz auszurichten und lud ihn und seine Kollegen zu einem Treffen einen Tag nach Beendigung der Konferenz in die Botschaft ein.
„Wir wurden gefragt, warum wir uns dazu entschlossen, wie sie es ausdrückten, ein kontroverses Thema wie den Völkermord an den Armeniern in der Konferenz zu behandeln“, teilte Krbec dem Rundfunkveranstalter RFE/RL mit. „Sie [die türkische Botschaft] versuchte zu erklären, dass sie nicht glücklich mit dem Inhalt der Konferenz sei, vor allem angesichts der Tatsache, dass aus ihrer Sicht keine türkischen Forscher zu dieser Konferenz eingeladen wurden.“, heißt es weiter.
„Wir antworteten, dass wir historische Forschung nicht in nationale Sichtweisen oder in Gegenseiten aufteilen, sondern dass wir dem Mainstream der weltweiten Genozidforschung folgen“, so der Direktor des Zentrums. „Wir haben gesagt, dass zum Beispiel die International Association of Genocide Scholars (Internationale Vereinigung von Völkermordforschern) den Völkermord an den Armeniern als solchen anerkannt hat. Daher sahen wir keinen Grund, auch einige türkische Forscher einzuladen“, berichtet Simon Krbec.
Der Direktor fügte noch hinzu, dass die türkische Botschaft ihnen Bücher über ihre Version der damaligen Geschehnisse im Osmanischen Reich mit auf den Weg gab und sie nach Istanbul eingeladen hat, um ihre Archive zu untersuchen.
Türkischen Regierungen haben bislang geleugnet, dass der Tod von rund 1,5 Millionen Armeniern und einer vielzahl anderer christlicher Minderheiten (Pontus-Griechen und Aramäer/Assyrer) auf einer systematischen und staatlich verordneten Politik der Ausrottung basierte. Nach Ansicht der Türkei, sind die Armenier in einer viel geringeren Anzahl in den Wirren des Krieges während des Zerfalls des Osmanischen Reichs bei „tragischen Ereignissen“ umgekommen.

(RFE/RL/Asbarez)
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