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FAZ-Reisebericht zu Armenien mit rassistischen Stereotypen

Foto links: Armenische Mutter kniet über ihrem toten Kind während des Genozids an den Armeniern. Foto rechts: Antisemitische Karikatur

Der älteste christliche Staat der Welt, der Genozid von 1915 oder die Jahrtausende alte Weinkultur. Dies sind die Themen über die man in der Regel ließt wenn es um Armenien und Armenier geht. Umso größer die Freude, wenn in großen Qualitäts-Zeitungen andere Aspekte eines Landes beleuchtet werden, welches für viele in Deutschland noch so fremd ist.

Das ein solcher Artikel jedoch gleich zu Beginn Erinnerungen an Stereotypen beim Leser hervorruft die zur NS-Zeit verwendet wurden, ist doch überraschend. So geschehen in dem jüngsten FAZ-Artikel mit dem Titel „Zum Geburtstag kommt die Nase weg“ – ein Reisebericht von Selma Mahlknecht.

Die Verfasserin fand einen befremdlichen Einstieg in ihren Bericht. In die Kultur Armeniens wird der Leser in dem FAZ-Artikel eingeführt mit „großen Nasen“ und der Darstellung der Armenier als „gierige“ Menschen. So schreibt Mahlknecht etwa, dass Armenier der Legende nach schon seit Anbeginn unter anderem gierig waren. Diese angebliche Gier der Armenier nur das Beste und Größte haben zu wollen, führte, so Mahlknecht, schlussendlich zur größten aller Nasen. Mahlknecht bedient sich hier rassistischen Vorurteilen und auch die Tatsache, dass sie dies als Teil einer „Legende“ oder „kulturellen Identität“ umschreibt macht es nicht besser.

Ihre Fixierung auf die Nase der Armenier ärgerte zu Recht etliche Leser. So schreibt die ZEIT-Redakteurin Laura Cwiertnia, selbst armenischer Herkunft, etwa auf Twitter:

„Nein, FAZ, es ist keine gute Idee, Texte über Minderheiten, die wegen exakt solcher rassistischer Vorurteile massenhaft ermordet wurden und bis heute diskriminiert werden, mit “Legenden” über große Nasen und Raffgier zu beginnen. Ohne Verlaub: Es ist eine Scheißidee!“

Hundertfache Zustimmung erhielt diese Kritik von Cwiertnia. Das Armenier-Bild welches Mahlknecht mit ihrem Artikel transportiert, scheint ihr offensichtlich nicht bewusst zu sein. Eventuell wäre ihr der Fauxpas aufgefallen, wenn sie in ihrer Passage das Wort „Armenier“ durch „Jude“ ersetzt hätte.

Bereits der deutsche Schriftsteller Karl May bediente sich diesem rassistischem Stereotyp. So schrieb er etwa in seinem Band „Auf fremden Pfaden“: „Wo irgendeine Heimtücke, eine Verräterei geplant wird, da ist sicher die Habichtsnase eines Armeniers im Spiele.“ Seine Antipathie gegenüber Armenier trug May offen nach Außen, als er etwa vom Armenier als „den schlechtesten Kerl von der Welt“ erzählt. Diese rassistischen Völker-Stereotypen Karl Mays, der die Massaker an den Armeniern indirekt befürwortete, prägten das Bild von Armeniern das im Deutschland seiner Zeit am meisten verbreitet war. Dieses Bild des Armeniers hatte wohl auch Friedrich Bronsart von Schellendorf vor Augen, der als Generalstabschef das osmanische Feldheer führte. Er war wohl einer der unerbittlichsten Feinde der Armenier und ließ alle rassistischen Hemmungen fallen, als er ausführte: „Der Armenier ist wie der Jude, außerhalb seiner Heimat ein Parasit, der die Gesundheit eines anderen Landes, in dem er sich aufhält, aufsaugt.“

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