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Deutschland

Dogan Akhanlis Grußbotschaft aus Madrid an die Welt

Am 19. August 2017 wurde der Kölner Schriftsteller Dogan Akhanli in Spanien auf Geheiß der Türkei aus politischen Gründen festgenommen. Mittlerweile ist er wieder frei. Er hat uns gebeten, seine Grußbotschaft zu veröffentlichen, welche Sie nachfolgend finden:

***

„Liebe Freundinnen und Freunde!
Wegen meiner Festnahme in Spanien durch die Intervention der Türkei bin ich zwar gerade etwas ermüdet und erschöpft. Aber trotz der aktuellen Bedrohung ist meine Kraft gegen Rassismus und Diskriminierung nicht erlahmt. Im Gegenteil!
Als ich Ende 1991 nach Köln geflüchtet bin, habe ich innerhalb kürzester Zeit zwei verschiedene Deutschlands kennengelernt. Ich habe die rassistischen Angriffe in Hoyerswerda und in Rostock-Lichtenhagen mitbekommen, und gleichzeitig habe ich den 9. November 1992 miterlebt. Ich war einer unter den 100.000 Menschen auf dem Chlodwigplatz in Köln, die „gegen Rassismus und Neonazis“ demonstriert haben. Ein Ereignis, was ich nie vergessen werde. In dem einen Deutschland lebt die übriggebliebene Vernichtungsseele der NS-Vergangenheit noch fort. Das andere Deutschland ist geprägt von Lebendigkeit und Wandel, weil es seine historische Gewaltgeschichte aufarbeitet.
Damals war ich davon überzeugt, dass in Deutschland nie mehr Platz für Rassisten und Nationalisten ist. Bis zur Enttarnung des NSU.
Da wurde auch mir klar, wie viele Einwander*nnen das Gefühl haben, sie seien in diesem Land nicht sicher. Weil der Staat bei der Verfolgung der Täter*innen versagte, hat sich dieses Gefühl leider nicht abgeschwächt. Auch ich war erschüttert, weil ich so viel Unfähigkeit oder Unwillen nicht für möglich gehalten hätte.
Dennoch: Wir dürfen nicht in Ohnmacht verfallen. Wir dürfen nicht resignieren. Es bleibt dabei: Rassisten haben keinen Platz unter uns, egal welchen Pass sie haben. Menschenverachtende Ideologien, die aus Fremden Feinde machen wollen, haben keinen Platz unter uns.
Wir dürfen nicht schweigen, wenn der Holocaust verharmlost wird. Wir dürfen nicht schweigen, wenn der Genozid an den Armeniern geleugnet und die Opfer der Kolonialgeschichte verschwiegen werden. Wir müssen gemeinsam eine lebendige Erinnerungslandschaft schaffen und für ein offenes und ehrliches Zusammenleben darin kämpfen.
Wenn die Vernichtungspropheten und ihre Komplizen ankündigen, dass sie wieder da sind, müssen wir aufstehen und sagen: Wir sind auch da!
„Arsch huh – Zäng ussenander!“ Kaldırın Kıçınızı!“

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